

Gestern nacht haben die Leute hier so auf den Strassen getanzt, wie die Deutschen 2006 nach dem gewonnen Viertelfinale gegen Argentinien. Barack Obama war wenige Minuten zuvor zum Sieger der Praesidentschaftswahlen erklaert worden. Bei seiner darauffolgenden Rede in Chicago herrschte eine geradezu physisch greifbare Totenstille im Saal, in dem wir die Wahlen verfolgten, und wahrscheinlich auch sonst ueberall in den USA. Was fuer eine Rede, so etwas habe ich noch nie gehoert und was fuer ein Redner.
Daraufhin sind wir siegestrunken in die Innenstadt gefahren und haben uns einfach dem erstbesten Mob, der singend, tanzend und sich umarmend durch die Strassen strich, angeschlossen. Da war eine Band dabei und alle Autos, die vorbei gefahren sind, haben wie wild gehupt. Und der Siegeszug wurde groesser und groesser. Die Polizei hatte vorsichtshalber die First Avenue abgeriegelt und dort wurde dann gefeiert. Man konnte spueren wie die ganze Last, Scham und Anspannung, die sich in den letzten Jahren angehaeuft hatte schlagartig von einem ganzen Land abgefallen und einem grenzenlosen Staunen, neuer Hoffnung und einer tiefen Dankbarkeit gewichen war. Und mehr noch, selten haben ich so verschiedene Menschen zusammen auf der Strasse gesehen: Der schwarze Gangsterrapper, Immigranten, verlotterte, kiffenden Opas, elegante, gutaussehende Frauen, Studenten, Geschaeftsleute im Anzug,Familien und Rentner, alle waren sie da. Was fuer ein Tag fuer Amerika.
